die Gartencoop – Vorstellung der Idee

ökologisch anbauen, solidarisch wirtschaften

 

Wir wollen eine selbstverwaltete, ökologische Landwirtschaftskooperative im Raum Freiburg gründen, die alle ihre Mitglieder mit pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln, insbesonders von Anfang an mit Gemüse versorgt. Ziel der Kooperative ist einen direkten Einfluss auf unsere Lebensmittelerzeugung zu erlangen. Im Rahmen einer solidarischen und gemeinschaftlichen Ökonomie, soll der Gemüseanbau und die Landwirtschaft ökologisch und klimagerecht betrieben werden.

 

Wir wollen durch Pflege des Bodens und seiner Fruchtbarkeit, der Luft- und Wärmehülle der Erde und der Gewässer, der Pflanzen und der Tiere einen Organismus schaffen, der Lebensgrundlage für den Menschen sein kann.

 

Darüber hinaus soll die Kooperative einen Bildungsauftrag im Sinne eines gemeinsamen Lernens erfüllen. Die Mitglieder der Kooperative bilden eine Gemeinschaft, die sich freiwillig und auf gegenseitigem Vertrauen begründet.

 

Die Gartenkooperative kann Ausgangspunkt einer gemeinschaftlichen Strategie werden, um den Folgen des Klimawandels, dem absehbaren Ende der fossilen Brennstoffe und der wachsenden Macht der Agrarindustrie in Zukunft etwas entgegenzusetzen.

 

Wir produzieren nicht für einen anonymen Markt, sondern umgehen die Marktlogik. Die Mitglieder der Kooperative kennen sich untereinander und produzieren solidarisch für alle. Saisonale und regional produzierte Produkte sollen über kurze Transportwege an die Gemeinschaft verteilt werden.

 

Wir sind der Überzeugung, dass Menschen und Gemeinschaften zu viel mehr fähig sind als sie sich in der Regel zutrauen. Große gesellschaftliche Änderungen entstehen dort, wo Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

 

Eines unserer Vorbilder ist das Modell der "Jardins de Cocagne" in Genf.

 


Finanzierung und kollektives Eigentum


Die Kooperative finanziert sich größtenteils über Mitgliedsbeiträge. Die Teilhabe an der Kooperative ist unabhängig von individuellen finanziellen Ressourcen. Für die Mitgliedsbeiträge gibt es [wird es geben] Richtwerte, die nach dem Einkommen gestaffelt sind. Der Beitrag wird nach Selbsteinschätzung der finanziellen Möglichkeiten festgelegt. Eine gute und gesunde Ernährung soll auch unabhängig von Wohlstand möglich sein.

 

Von den Beiträgen wird der Gemüseanbau, vor allem die Löhne der Angestellten und die laufenden Kosten finanziert. Die Mitglieder beteiligen sich nicht nur finanziell, sondern auch tatkräftig an der Arbeit in der Gartenkooperative. Der Ertrag des Gemüseanbaus wird auf alle Mitglieder der Kooperative verteilt.

 

Die Mitgliedsbeiträge sollen auch Rücklagen für materielle Anschaffungen und für einen eventuellen langfristigen gemeinschaftlichen Kauf der Gartenflächen bilden.

 

Das Projekt zielt nicht auf Profit ab, es soll sich finanziell aber selbst tragen. Materielle und eventuelle finanzielle Überschüsse werden in das Projekt reinvestiert. Durch die Schaffung eines Solidaritätsfonds, sollen politische Projekte mit ähnlichen Motivationen unterstützt werden.

 

Die Flächen, alle Anschaffungen wie Maschinen, Installationen und sonstige Ressourcen sollen gemeinsamer Besitz der Kooperative sein und auf den Zweck eines solidarischen und ökologischen Anbaus festgelegt werden. Die Mitglieder der Kooperative werden somit zu MiteigentümerInnen der gesamten Infrastruktur und des in der Kooperative erarbeiteten Wissens.

 

Der Garten und die GärtnerInnen werden mit diesem Modell vom marktwirtschaftlichen Ertragsdruck etwas entlastet. Die Produktionsrisiken, wie Ernteausfall durch Unwetter oder Krankheiten, werden von der Kooperative getragen.

 

 

Professioneller Anbau

 

Für eine Versorgung von mehreren Hundert Personen mit Gemüse und anderen landwirtschaftlichen Produkten ist eine professionelle Arbeit notwendig. Um eine professionelle Anbauplanung, eine gute logistische Organisation, eine Kontinuität der landwirtschaftlichen Arbeit, sowie eine fachliche Betreuung und Wissensweitergabe zu gewährleisten, werden Menschen mit den nötigen Fähigkeiten von der Kooperative angestellt.

 

Jede Lohnarbeit erfolgt hierbei zu gleichem Lohn pro Stunde und wird fair vergütet. Bei bezahlten Stellen geht es nicht um eine persönliche Bereicherung, sondern darum, dass diese Personen bspw. ihre Lebenshaltungskosten bezahlen können und keine (Selbst)Ausbeutung stattfindet. Alle Lohnverhältnisse werden der Kooperative gegenüber transparent gemacht.

 

Von den bezahlten MitarbeiterInnen wird erwartet, dass sie eine politische Motivation mitbringen und die Richtlinien des Projekts mittragen. Sie sollen ebenfalls eine Bereitschaft mitbringen ihr Wissen (z.B. Gärtnerfachwissen) an Gartencoop-Mitglieder weiterzugeben.

 

 

Beteiligung der Mitglieder an der Arbeit und am Leben in der Kooperative

 

Durch das Aufheben der Trennung zwischen „ProduzentIn und KonsumentIn“ entsteht für viele eine Möglichkeit die landwirtschaftliche Arbeit wiederzuentdecken, neue gemeinsame Erfahrungen zu machen und sich neues Wissen anzueignen.

 

Die Mitglieder der Kooperative sollen sich zusätzlich zum finanziellen Beitrag auch aktiv an der Arbeit in der Kooperative beteiligen. Jedes Mitglied muss jährlich mindestens zwei Tage im Projekt arbeiten.

 

Ob hacken, jäten, ernten oder Gemüsekisten zusammenstellen, viele Arbeitsschritte werden gemeinschaftlich bewältigt. Die Mitglieder beteiligen sich ebenfalls an der Verteilung der Gemüsekisten. Diese werden wöchentlich zu verschiedenen Sammelpunkten in der Stadt gebracht und können dort abgeholt werden. JedeR soll sich in Absprache nach seinen Fähigkeiten beteiligen können.

Gelegentlich werden auch größere gemeinschaftliche Aktionen einberufen, die auf die freiwillige Beteiligung und Motivation der Mitglieder bauen. Hierbei soll z.B ein Folientunnel aufgebaut, Saft gepresst oder Marmeladen eingekocht werden. Wissenshierarchien sollen bestmöglich abgebaut werden. Außerdem macht gemeinsam erledigte Arbeit mehr Spaß und verringert den individuellen Einsatz nach dem Motto „viele Hände machen schnell ein Ende“.

 

 

Bildung und Öffentlichkeitsarbeit

 

Bildung und Fähigkeitenaustausch werden von Anfang an im Projekt verankert. Neben der Wissensweitergabe und dem Erfahrungsaustausch innerhalb der Gartenkooperative, streben wir auch die Organisation von Workshops, Seminaren und Informationsveranstaltungen nach außen an. Einerseits um von außen Impulse zu bekommen, andererseits um die Kultur des Gartenbaus und solidar-ökonomische Konzepte zu fördern und zu verbreiten.

Der Bildungsanspruch der Kooperative beschränkt sich nicht auf die Weitergabe von landwirtschaftlichem Wissen, sondern soll darüber hinaus Themen aufgreifen wie Klimagerechtigkeit, Ernährungssouveränität, Energiekrise, Post-Erdöl Gesellschaft und vieles mehr. Dabei wird eine Vernetzung mit bestehenden Gruppen und Initiativen, sowie Schulen vor Ort angestrebt. Durch öffentliche Veranstaltungen, Publikationen und Internetpräsenz werden Menschen über die Kooperative hinaus erreicht und informiert.

Insgesamt wollen wir weitere ähnliche Projekte, auch in anderen mit ökologischen und solidarischen Zielen arbeitenden Branchen, anregen, um eine größtmögliche Autonomie aller Lebensbereiche der Beteiligten umzusetzen. Am Ende steht die Vision einer Ernährungssouveränität und einer Unabhängigkeit vom Markt. Alles soll allen gehören, alle sollen alle unterstützen.

Da heute in unserer Gesellschaft weniger als 2% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, bedeutet das für viele von uns eine Wiederentdeckung der Arbeit auf dem Land.

 

 

Ökologisch und klimagerecht anbauen

 

Neue Konzepte des klimapositiven Anbaus sollen erprobt werden. Eine möglichst große Vielfalt im Anbau und ein schonender Umgang mit den (Energie-) Ressourcen und das Einsparen an Wasser stärkt die Umweltgerechtigkeit unserer Praxis. Wir wollen so wenig Emissionen wie möglich ausstoßen. Durch eine Förderung der Bodenfruchtbarkeit und der Biodiversität im Garten, können Kohlen- und Stickstoff im Boden gelagert werden statt sie als klimaschädliche Treibhausgasemissionen an die Atmosphäre abzugeben.

Am Einsatz von erneuerbaren Energiequellen soll experimentiert werden. Viel Energieeinsparung wird durch kurze Transportwege, den Rückbau maschineller Einsätze und durch Verzicht auf beheizten Anbau erreicht.

Langfristig sollen verschiedene landwirtschaftliche Aktivitäten in das Projekt integriert werden: Wir streben einen geschlossenen Hofkreislauf, bestmögliche Fruchtfolgen und das Miteinbeziehen von Tieren an.

Durch die Förderung von Rückzugsräumen für Wildtiere (Vögel, Igel...) soll ein aktiver Naturschutz betrieben werden.

 

 

Düngung und Bodenfruchtbarkeit

 

Es wird auf chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger verzichtet, um die Böden, das Grundwasser, die Pflanzen, die Tiere und die Atmosphäre nicht zu belasten.

Wir gehen keinen Kompromiss ein, was die Herkunft der Düngemittel betrifft. Wie wollen sie wenn möglich selber herstellen. Auf „biologische“ Düngemittel, die aus Abfällen der konventionellen (Lebensmittel-) Industrie hergestellt werden wird verzichtet. Besonders wichtig sind uns die Verwendung von biologisch-dynamischen Präparaten zur Boden- und Pflanzengesundung. Auch Anbautechniken anderer Philosophien dienen uns zur Inspiration, wie etwa die Permakultur oder Agroforestry.

Es wird angestrebt 50% der Flächen unter Gründüngung zu lassen.

 

 

Qualitätssicherung


Zuerst soll eine Grundversorgung der Haushalte mit vielfältigen Gemüsearten in den biologisch-dynamischen Richtlinien entsprechender Qualität realisiert werden. Einem Verband beizutreten erachten wir nicht für notwendig, da die Qualitätskontrolle durch die GenossInnen erfolgt. Jeglicher biologischer Pflanzenschutzeinsatz und Düngemaßnahmen, sowie alle Tätigkeiten im Landbau (Pflanzungen, Aussaaten, Bearbeitungen etc.) werden regelmäßig allen Mitgliedern mitgeteilt.

Die Kooperative wird den Einsatz, die Vermehrung und die Züchtung samenfester Sorten im Gartenbau fördern. Wir streben an langfristig ausschließlich samenfeste Sorten anzubauen. Durch die Möglichkeit der eigenen Saatgutvermehrung wird eine Unabhängigkeit von der Agrarindustrie angestrebt.

Um diesem ehrgeizigen Ziel näher zu kommen, werden Kooperationen mit gleichgesinnten Gartenprojekten, Bio-Höfen oder Saatgutvermehrern stattfinden. (z.B. Dreschflegel, Bingenheimer Saatgut Ag, Kokopelli oder Kaiserstühler Samengarten)

 

Quellen und Links:

[1] Vgl. dazu: Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises 1985, im Dokumentarfilm 'Geraubte Zukunft' (hijacked future)