- Konventionelle und industrielle Landwirtschaft ohne Zukunft
- Die Idee
- Produktionsmittel und Kosten teilen
- Boden als Gemeingut
- Ökologische und klimagerechte Landwirtschaft
- Gute und schlechte Ernten teilen
- Arbeit und Wissen teilen
- Verteilung auf kurzen Wegen
- Reclaim the Fields!
Konventionelle und industrielle Landwirtschaft ohne Zukunft
Die globalisierte Nahrungsmittelproduktion ist von fossilen Brennstoffen abhängig, deren Verfügbarkeit rapide schwindet und zu Spannungen in der Welt führt. Um eine Kalorie Essen auf den Teller zu bringen, braucht dieses System durchschnittlich zehn Kalorien an fossilen Brennstoffen.
Vom Feld bis zum Teller ist das Welternährungssystem heute für rund die Hälfte unserer Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Abholzung von Urwäldern, Bodenzerstörung und Vernichtung von Arten sind weitere Folgen der industriellen Landwirtschaft. Trotz dieses hohen Aufwandes kann nicht erreicht werden, dass alle Menschen auf der Erde genügend zu essen haben. Zugang zu Nahrung hat nur derjenige, der sie auch bezahlen kann.
Gleichzeitig konkurriert der Anbau von Lebensmitteln mit der Produktion von Futtermitteln und von Agrarrohstoffen, für die es eine zahlungskräftigere Nachfrage aus den Industrieländern gibt. Menschen werden weltweit von ihren Feldern vertrieben, um über das Eigentumsrecht Platz für die Verwertungsinteressen von Konzernen zu machen.
Einen Ausweg aus dieser Klima- und Ernährungskrise können nur andere gesellschaftliche Formen als die Warenproduktion und das Privateigentum an Boden bieten. Zusätzlich braucht es eine weltweite Umstellung auf ökologische Anbaumethoden und regionale Kreisläufe. Dafür sind radikale Änderungen im Ernährungssystem notwendig. Die Bedürfnisse der Menschen (und die der Tiere, Pflanzen und des Bodens) müssen im Mittelpunkt stehen und nicht die Erzielung von Gewinn, wie es für jedes Unternehmen, das in der Marktkonkurrenz steht, notwendig ist.
Wir, eine Initiative von GärtnerInnen, LandwirtInnen, KlimaaktivistInnen und Aktiven anderer sozialer Bewegungen verschiedenen Alters haben Anfang 2011 im Raum Freiburg eine Kooperative gegründet, die knapp 250 Mitglieder mit Lebensmitteln versorgt. Im Rahmen einer gemeinschaftlichen und solidarischen Ökonomie werden landwirtschaftliche Produkte, derzeit insbesondere Gemüse, ökologisch und klimagerecht angebaut und in Freiburg verteilt.
Produktionsmittel und Kosten teilen
Die Mitglieder tragen durch ihre Beiträge die Gesamtkosten des Anbaus. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach den finanziellen Ressourcen der Einzelnen. Wer wenig Geld hat soll auch teilnehmen können. Die Gartencoop muss sich finanziell selbst tragen. Tiere, Maschinen und Geräte sind gemeinschaftliches Eigentum.
Boden als Gemeingut
Das Land und Gebäude begreifen wir als Gemeingut, das uns zur verantwortlichen Nutzung überlassen ist. Es soll nicht verkauft werden können. Derzeit sind wir noch einem Pacht bzw. Mietverhältnis. Mittelfristig wollen wir aber Land für unsere Ziele sichern.
Ökologische und klimagerechte Landwirtschaft
Die Gartencoop ist für uns eine Gelegenheit eine konsequente ökologische Landwirtschaft umzusetzen und weiterzuentwickeln. Wichtig sind uns die Förderung der Bodenfruchtkarkeit, die Verwendung samenfester Sorten, sowie ein geschlossener Hofkreislauf.
Ziel ist es eine klimaverträgliche Landwirtschaft durch einen schonenden Umgang mit den Ressourcen wie Energie und Wasser sowie kurze Transportwege zu realisieren. Dazu gehört auch der Verzicht auf beheizten Anbau, sowie die Förderung einer saisonalen Ernährung mit mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln.
Den Einsatz von fossilen Treibstoffen wollen wir reduzieren und erneuerbare Energiequellen für den Transport, sowie für die Produktion und Lagerung von Lebensmitteln verstärkt nutzen.
Gute und schlechte Ernten teilen
Mit dem Modell der Kooperative wird der Hof von marktwirtschaftlichem Ertragsdruck entlastet. Die Produktionsrisiken, wie Ernteausfall durch Unwetter oder Krankheiten, werden von der Kooperative getragen. Der Ertrag des Hofes wird auf alle Mitglieder verteilt.
Arbeit und Wissen teilen
Für die Erzeugung von Lebensmitteln für mehrere Hundert Personen und deren sichere Versorgung ist viel Fachwissen, Erfahrung, Kontinuität und eine gute Organisation notwendig. Dafür braucht es professionelle GärtnerInnen und LandwirtInnen, die von der Kooperative angestellt werden.
Die Mitglieder der Kooperative beteiligen sich zusätzlich zum finanziellen Beitrag auch tatkräftig an der Arbeit. Jedes Mitglied muss jährlich mindestens zwei Tage im Rahmen von koordinierten Arbeitseinsätzen im Projekt arbeiten. Ob jäten, ernten oder Lebensmittel verteilen, viele Arbeitsschritte werden gemeinschaftlich bewältigt. Die GärtnerInnen und LandwirtInnen sehen es als ihre Aufgabe, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiterzugeben und die Mitglieder zu befähigen sich selbständiger in die Arbeit einzubringen.
Verteilung auf kurzen Wegen
Nach der Ernte werden die Lebensmittel wöchentlich von Mitgliedern zu verschiedenen Verteilpunkten in der Stadt gebracht und können dort abgeholt werden. Verpackung, Lagerung und Emissionen sollen auf ein Minimum reduziert werden.
Reclaim the Fields!
Wir sind Teil einer weltweiten Bewegung, die durch Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft vielfältige Wege aus der Krise aufzeigt. Wir stehen in überregionalem Austausch mit ähnlichen Projekten. Eine unserer Inspirationen sind die "Jardins de Cocagne", eine Kooperative die seit mehr als 30 Jahren erfolgreich Gemüse für mehrere Hundert Mitglieder in Genf anbaut.
