Ideologie im Folientunnel

field_node_width[0]['value']) print ' style="width: ' . $node->field_node_width[0]['value'] . 'px" span="0"' ?>>
Die Gartencoop arbeitet an der Idee, wie sich Städter naturnah selbst mit Lebensmittel versorgen können.

Vom eigenen Anbau zu leben ist ein alter Aussteigertraum. Organisiert man das mit vielen Gleichgesinnten, ganz ökologisch und ergänzt durch einen ideologischen Überbau, kann ein sehr zeitgemäßes Experiment daraus werden. Eine Freiburger Initiative will es nun wagen.

Gelänge alles so, wie es den Leuten von der Gartencoop vorschwebt, dann würde nicht weniger als ein ökologisch und politisch korrekter Rundumschlag daraus, garniert mit pädagogischen Elementen, etwas Politik - und satt würde man davon auch noch.

Dafür allerdings müsste folgendes funktionieren: Eine Gartenkooperative- sie befindet sich in der Gründungsphase - bebaut vor den Toren Freiburgs ein Stück Land mit Obst und vor allem Gemüse und ernährt damit ihre Mitglieder. Die kriegen regelmäßig frisch geerntete Lebensmittel ins Haus, zahlen dafür einen vom Einkommen abhängigen Betrag - und leisten auch noch ein paar wenige Arbeitsstunden im Jahr auf dem Feld.

"Gefragt ist hier keine Käufermentalität", sagt Luciano Ibarra einer der Aktivisten. "Du zahlst und arbeitest für das Projekt, kriegst Gemüse das ganze Jahr und hast Einfluss auf die Qualität des Anbaus." Das Projekt hat natürlich einen gehörigen ideologischen Überbau. Es geht um Abkehr von der agrarindustriellen Produktion, um Gemüse aus der Gegend, statt aus Italien und Chile. Um den Verzicht auf Monokulturen, die den Boden auslaugen. Und um Anbau unter natürlichen Bedingungen, ohne dass es eines großen Einsatzes von Heiz- und Kühlgeräten bedarf - und damit fossiler Energie-, um naturfremde Konsumentenwünsche und die Leistungsfähigkeit der Scholle mit Gewalt zusammenzubiegen.

Vorbild der etwa 20 meist jüngeren Mitstreiter, die die Idee mit der Garten-Kooperative hatten, ist ein Projekt in Genf mit dem Namen "Jardins de Cocagne", das es bereits seit 30 Jahren gibt. Dessen Gärten sollen bis zu 1.000 Menschen versorgen. Der Start in Freiburg muss bescheidener ausfallen. "Ideal wäre ein Kreis von etwa 80 Abo-Kisten", sagt Luciano Ibarra. Also Haushalte, die wöchentlich eine abonnierte Kiste mit Gemüse ins Haus bekommen.

Um später einmal ernten zu können, sucht die Initiative Mitstreiter, und zu allererst natürlich zwei bis drei Hektar Land zur Pacht - derzeit klappert man Landwirte und Landbesitzer ab. Im Umland Freiburgs sollte die Nutzfläche liegen, maximal 15 Kilometer entfernt - damit später Transporte auch mit dem Fahrrad erledigt werden können. Mit Investitionen im fünfstelligen Bereich für Werkzeug und die schützenden Folientunnel, rechnet man - finanziert über Direktkredite von Unterstützern oder Spenden - so ganz steht das Finanzkonzept noch nicht.

Das Ziel schon: "Wir wollen alles anbauen, was möglich ist", sagt Fabian Schlichtmeier, Mitglied der Gartencoop. "Möglich" nach dem Kalender der Natur. Im Winter gibt es dann eben keine Tomaten. Sondern nur Feldsalat, Spinat, Lauch. "Auch Möhren könnten noch ganzjährig gehen", vermutet Schlichtmeier, einer gelernter Gärtnergeselle.

Nicht nur Laien im Garten

Auch wenn alle, die bei der Initiative mitmachen, auch auf dem Feld helfen sollen - natürlich auch ein wenig als kleines Naturerfahrungsprogramm für Städter verpackt -, will die Gartencoop letzlich kein reines Laienprojekt werden. "Es soll schon professioneller Anbau sein", sagt Luciano Ibarra. Also will die Gartenkommune auch ausgebildete Gärtner beschäftigen. In Festanstellung und bezahlt mit Geld - und natürlich Gemüse, quasi als Erfolgsprämie.

von Jens Kitzler - Der Sonntag 11. Oktober 2009