Ernährungsautonomie statt Hunger im Treibhaus

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Nur ein umfassender Wandel in der Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, kann einen Ausweg aus der Klima- und Ernährungskrise bieten. Die Freiburger Initiative „Gartencoop” zeigt neue Wege auf und startet ein Projekt für eine ökologische und gemeinschaftliche Selbstversorgung. Artikel in der SolarRegion.

 

Wenn es um die Wende in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien und der klimagerechten Gesellschaft geht, richtet sich das Augenmerk meistens auf die Erzeugung von Strom und Wärme oder darauf, wie wir unsere Mobilität in Zukunft organisieren. Das Ernährungssystem wird dabei oft weniger beachtet.

 

Folgen der industriellen Landwirtschaft


Nahrung ist Energie. Sie ist die älteste Energieform, die Menschen konsumieren. Landwirtschaft ist im Wesentlichen eine Strategie, um diese lebensnotwendige Energie zu produzieren und hat unsere Zivilisationen geprägt. Wie wir die Nahrungsmittelproduktion organisieren, wird für unsere Zukunft sehr ausschlaggebend sein. Die globalisierte Erzeugung von Lebensmitteln ist von fossilen Brennstoffen abhängig, deren Verfügbarkeit rapide schwindet und zu Spannungen in der Welt führt. Um eine Kalorie Essen auf den Teller zu bringen, braucht dieses System durchschnittlich zehn Kalorien an fossilen Brennstoffen. Rund die Hälfte der welt- weiten Treibhausgasemissionen sind in irgendeiner Form auf das Welternährungssystem zurückzuführen. Auch die Abholzung von Urwäldern, Bodenzerstörung und Vernichtung von Arten sind Folgen der industriellen Landwirtschaft. Trotz dieses hohen Aufwandes kann nicht erreicht werden, dass alle Menschen auf der Erde genügend zu essen haben.

 

Die heutige Bio-Lebensmittelindustrie, die viele gerne als Alter- native ansehen möchten, stellt nur bedingt einen Ausweg dar. „Bio“ sagt nichts darüber aus, wie energieintensiv, in welcher Saison oder unter welchen sozialen Bedingungen Lebensmittel hergestellt werden. Auch Bio-Erdbeeren aus Südspanien werden häufig von ausgebeuteten MigrantInnen aus Nordafrika angebaut, haben Tausende Kilometer bis in den Supermarkt zurückgelegt und hohe Mengen an Energie in beheizten Gewächshäusern verbraucht, wenn kaufkräftige KonsumentInnen sie unbedingt im Februar essen möchten. Der ökologische Anbau hat in den letzten Jahrzehnten sicherlich viel erreicht. Aber auch im Bio-Anbau kann ein Boden kaputt gewirtschaftet werden, wenn man sich immer nur an den Zwängen des Marktes orientiert.

 

Wege aus der Ernährungskrise


Nur ein umfassender Wandel im Ernährungssystem und in der gesellschaftlichen Form der Lebensmittelproduktion können einen Ausweg aus dieser Klima- und Ernährungskrise bieten. Weltweit ergreifen in den letz- ten Jahren viele Menschen Initia- tive, um durch den Aufbau von Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft vielfältige Wege aus der Krise aufzuzeigen. Auch hier im Raum Freiburg entstehen neue Projekte. Ein Beispiel ist die Initiative „Gartencoop“, die gerade eine Kooperative zur ökologischen und gemeinschaftlichen Selbstversorgung gegründet hat. Nur einige Kilometer von der Stadt entfernt will sie langfristig mehrere hundert Menschen mit Gemüse und landwirtschaft- lichen Produkten versorgen. Die Grundidee der Gartencoop ist einfach: Eine Gemeinschaft von bis zu mehreren hundert Menschen schließt sich zusammen, um die Kosten eines Hofbetriebs gemeinsam zu tragen. Für die Erzeugung der Lebensmittel ist ein professio- nelles Team von GärtnerInnen und LandwirtInnen verantwortlich, die für die Kooperative produzieren. Die gesamte Ernte, ob gut oder schlecht, wird dann auf alle Mitglieder verteilt. Inspirieren lassen hat sich die Freiburger Initiative von erfolgreichen Projekten in der Schweiz und in Norddeutschland, wo dutzende von Höfen schon seit vielen Jahren nach diesem System erfolgreich wirtschaften.

 

Regional, saisonal, solidarisch


Das Konzept ermöglicht es, die GärtnerInnen von marktwirt- schaftlichem Ertragsdruck zu ent- lasten. Diese können dann mehr Wert auf Aspekte wie Boden- fruchtbarkeit, biologische Vielfalt und Klimaverträglichkeit legen. Die Mitglieder der Kooperative beteiligen sich zusätzlich zum finanziellen Beitrag auch tatkräftig an der Arbeit. Jedes Mitglied muss jährlich einige Tage im Rahmen von koordinierten Arbeitseinsät- zen im Projekt arbeiten. Ob jäten, ernten oder Lebensmittel verteilen, viele Arbeitsschritte werden gemeinschaftlich bewältigt und unter Anleitung von GärtnerInnen erlernt. Die frisch geernteten Lebensmittel werden wöchentlich von Mitgliedern zu verschiedenen Verteilungspunkten in der Stadt gebracht und können dort abgeholt werden. Verpackung, Lagerung und Emissionen werden auf ein Minimum reduziert. Die Gartencoop hat sich zum Ziel gesetzt, eine konsequente ökologische Landwirtschaft umzusetzen und weiterzuentwickeln. Wichtig sind die Förderung der Bodenfruchtbarkeit, die Verwendung samenfester Sorten, sowie ein geschlossener Hofkreislauf. Ziel ist es, eine klimaverträgliche Landwirtschaft durch einen schonenden Umgang mit den Ressourcen wie Energie und Wasser sowie kurze Transportwege zu realisieren. Dazu gehört auch der Verzicht auf beheizten Anbau, sowie die Förderung einer saisonalen Ernährung mit mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln. Der Einsatz von fossilen Treibstoffen soll reduziert und Erneuerbare Energiequellen für den Transport sowie für die Produktion und Lagerung von Lebensmitteln verstärkt genutzt werden.

 

Was nach einem kleinen Projekt klingt ist jedoch ein viel versprechendes Modell mit zahlreichen weiteren Anknüpfungs- und Ausbaumöglichkeiten, das man nicht aus dem Blick verlieren sollte.

 

Die Gartencoop sucht noch Mitglieder. Weil die Anbauplanung für ihre erste Saison 2011 bis Mitte Februar feststehen muss, können Mitglieder nur bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommen werden. NachzüglerInnen können erst wieder Anfang 2012 einsteigen.

 

Weitere Informationen auf: www.gartencoop.org

 

von Luciano Ibarra

 

erschienen in SolarRegion 1/2011, S.32

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