Prosumenten bei der Ernte

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Eine Garten-Kooperative bewirtschaftet Felder rund um Tunsel.

05. Juli 2011
Badischen Zeitung (Regionalteil Bad Krozingen)
von:
Anne Freyer

 

BAD KROZINGEN-TUNSEL. Bis vor kurzem leuchteten sie mit dem blauen Himmel um die Wette: die rund um Tunsel liegenden Felder mit Phacelia, einer Pflanze, die nicht nur die Qualität des Bodens verbessert, sondern darüber hinaus auch sehr attraktiv ausschaut. Ausgesät haben diesen Gründünger die Mitglieder der selbstverwalteten Garten-Coop Freiburg, die seit Anfang des Jahres acht Hektar Fläche und 1000 Quadratmeter unter Folientunnel bewirtschaftet – ausschließlich für den Eigenbedarf.

 

"Hier in Tunsel haben wir genau das gefunden, was wir gesucht haben, sowohl von der Größe als auch von den Bedingungen her", stellen die beiden ausgebildeten Gemüsegärtner Lukas und Fabian und der Landwirt Thomas fest. Auf ihr Fachwissen können sich die hochmotivierten Mitglieder der Kooperative verlassen, die zurzeit häufig mit landwirtschaftlichem Gerät und Körben ausgestattet auf den Feldern und Beeten anzutreffen sind, die ihnen die Biogärtnerei Cammerer verpachtet hat. Denn jetzt geht’s ans Ernten – für die mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten wenig bis gar nicht vertrauten Städter ein Erlebnis der besonderen Art. Kräuter, Salat, Gurken gibt es zurzeit in Hülle und Fülle, demnächst sind Tomaten, Auberginen und Zucchini dran. Exakt 190 Basilikumsträuße lässt Fabian binden, ebenso viele Portionen Möhren werden für den Abtransport an die Verteilerstellen in Freiburg fertiggemacht, denn so viele Mitglieder hat die Garten-Coop. Und nur wer dazugehört, kommt in den Genuss der frischen Produkte.

 

Die Idee zur solidarischen Landwirtschaft im Freiburger Raum kam dem Filmemacher und Journalisten mit dem Spezialgebiet Agrarbranche Luciano Ibarra, als er im Sommer 2009 von einer landwirtschaftlichen Genossenschaft nahe Genf hörte. Sie heißt "Jardins de Cocagne", besteht seit 30 Jahren und beliefert mittlerweile 420 Haushalte mit Gemüse. Auf die Erfahrungen, die man dort sowie in anderen Gegenden der Schweiz, in Frankreich und im Buschberghof bei Hamburg gesammelt hat, kann nun Garten-Coop Freiburg zurückgreifen, was viele Anfangsfehler vermeiden hilft.

Zur ersten Informationsveranstaltung im Herbst vergangenen Jahres in Freiburg waren Vertreter dieser Einrichtungen nach Freiburg gekommen und stießen auf reges Interesse – bis Ende Februar war die Obergrenze von 190 Mitgliedern, die man im Hinblick auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit angepeilt hatte, erreicht, die Warteliste ist lang.

Was finden Leute aus der Stadt, die oft keinerlei Erfahrung mit Garten- oder Landarbeit haben, so toll daran, einen Weg von immerhin bis zu 30 Kilometern auf sich zu nehmen, um mehrere Stunden lang Erde zu lockern, Karotten auszubuddeln oder in ungewohnter Haltung Kräuter zu ernten? "Das ist es ja gerade!", sagt eine junge Mutter, die ihr Kleinkind auf den Rücken gebunden hat und nun die Hacke schwingt. "Hier lernt meine Kleine, wo die Erbsen und all das andere Grünzeug herkommen, nämlich nicht aus der Dose. Und alles biologisch angebaut und von bester Qualität." Dass dem so ist, können die Nutzer lückenlos beobachten und kontrollieren, denn sie sind von der Vorbereitung des Bodens über das Pflanzen und Säen bis zum Ernten immer dabei – allerdings im Wechsel.

"Prosument" ist hierfür das Schlagwort, zusammengesetzt aus "Produzent" und "Konsument". Die Eigenarbeit beträgt nur zwei Tage im Jahr – wird jedoch manchmal überschritten, weil es so viel Spaß macht.

Als einmalige Einlage sind 400 Euro vereinbart, als jährlicher Beitrag bis zu 600 Euro. Damit werden nicht nur Saatgut und Jungpflanzen, sondern auch die Büroausstattung und zunächst der Erwerb der Maschinen und Geräte, später ihre Instandhaltung finanziert. Darum kümmern sich Genossenschaftsmitglieder, die auf den Gebieten Schlosserei, Mechanik und Elektrik beschlagen sind.

Und was passiert mit dem Überschuss, wenn beispielsweise alle Tomaten auf einmal reif werden? "Dann wird eingeweckt und konserviert, die Gläser dafür sammeln wir schon", kündigt Gärtnermeister Lukas an. Verkauft werden sollen die Produkte jedenfalls nicht; wer in ihren Genuss kommen will, muss schon Mitglied werden.

Informationen im Internet unter http://www.gartencoop.org